Stiftstraße Frankfurt

Hängender Garten Stiftstraße

Entwurf für eine 50 m hohe Vertikalbegrünung im Innenhof einer Wohnhochhausanlage. Die hängenden Pflanzkübel bieten den Wurzelraum für die Pflanzen und reflektieren Sonnenlicht. 

Ort: Frankfurt am Main, Stiftstraße 19-27

Auslober und Verfahrensbetreuer: Becken Development GmbH

Team: Visualisierung: masterboX.de_Dipl. Ing. Micheal Palm
                                   Two Works_Christian Gerstenkorn
                                   YLA Landschaftsarchitektur Ando Yoo

Projektgröße: 3.000 qm Bodenfläche und 2.000 qm Vertikalbegrünung

Freiraumplanerischer Wettbewerb  3. Preis

Hängender Garten im großen Innenhof

Für die Begrünung des Innenhofes schlagen wir einen hängenden Garten vor, der die senkrechte Fassadengliederung des Telekom Technikgebäudes aufnimmt. Vor der Fassade werden im Abstand von 2,35 m senkrechte Träger angeordnet, die sich vom Boden des Hofes bis über das Staffelgeschoß des Technikgebäudes wölben. In die Zwischenräume der Träger werden in regelmäßigen Abständen Pflanzkelche aus poliertem Edelstahlblech gehängt, die mit einem leichten Substrat verfüllt und mit einer auf den Standort abgestimmten Vegetation bepflanzt ist. Die Träger bilden an der Basis einen Bogen, der mit einer Holzbeplankung eine kommunikative Sitz- und Liegelandschaft für die Bewohnerschaft des Wohnquartiers entstehen lässt. Weitere in Sitzhöhe aufgekantete und mit Holzauflagen versehene Pflanzflächen und Baumscheiben bilden ein differenziertes Raumgefüge und steigern die Aufenthaltsqualität.

Die modulare Struktur des Hängenden Gartens erlaubt je nach statischen Erfordernissen und finanziellem Budget das Hinzufügen bzw. Weglassen einzelner Elemente. Die üppige Bepflanzung aus sommer- und immergrünen Gehölzen und Stauden übernimmt über die einmalige ästhetische Wirkung hinaus auch schallmindernde und luftreinigende Funktionen. Das urbane Mikroklima im neuen Wohnquartier und im Stadtteil wird durch Verdunstung und Photosynthese der Pflanzen entscheidend verbessert. Um die Lichtverhältnisse im Hof für das Gedeihen der Pflanzen zu optimieren, sind in die senkrechten Träger des hängenden Gartens Lichtleisten integriert, die UV-haltiges Licht auf die Pflanzkelche ausstrahlt. Die Kelchoberflächen reflektieren und streuen das Licht und sorgen so für ein höheres Lichtniveau. In den Abendstunden kann diese dimmbare Beleuchtung zur Illumination des Hofraumes genutzt werden. Das Lichtkonzept wird durch Lichtlinien im Bodenbelag und die Anstrahlung einiger Solitärbäume über Bodeneinbaustrahler ergänzt. Die leichte Neigung der Pflanzkelche und der Trägerkonstruktion aus der Lotrechten machen die schwebenden Grünflächen auch für die Bewohner in den oberen Etagen der drei Wohntürme besser sichtbar.

Die Bewässerung der Vegetation geschieht über Tropfschläuche, die das Wasser aus einer unterirdischen Zisterne über die senkrechten Träger zu den Kelchen führt. In der Zisterne wird Regenwasser von den Dachflächen der Gebäude gesammelt und in Trockenperioden durch Leitungswasser ergänzt. Die Pflege des Hängenden Gartens muß durch speziell ausgebildetes Gärtnerpersonal ausgeführt werden, daß sich - ähnlich wie beim Bosco Verticale in Mailand – vom Dach des Technikgebäudes abseilt oder über Hebebühnen arbeitet. Die durch den B-Plan vorgeschriebene Grünbilanz wird um ein Vielfaches erfüllt, da der hängende Garten zusammen mit der bodennahen Vegetation in den Innenhöfen und auf dem Vorplatz die Anzahl der zu pflanzenden Gehölze bei weitem übertrifft. Die Bäume auf dem Vorplatz könnten von der Unterbauung ausgenommen werden, um so auch die Forderung nach „unbegrenztem“ Wurzelraum erfüllen.

Die Vegetation des Hängenden Gartens besteht zum einen aus immergrünen Gehölzen, wie Bambusarten, Kirschlorbeer und Heckenkirsche, zum anderen aus Pflanzenarten mit auffälligen Blüten, schöner Herbstfärbung und Früchten, die den Winter über die Pflanze zieren. Hierzu zählen die Kupfer-Felsenbirne, der Buschklee, die Bergclematis und der Winterjasmin. Die Bodenflächen der Pflanzkelche sind mit Farnarten und Waldgräsern bepflanzt. Diese Pflanzenauswahl ist wind- und schattenverträglich. Die mehr- und hochstämmigen Gehölzarten in den bodenbündigen und aufgekanteten Baumscheiben haben ein lichtdurchlässiges Laub, wie der japanische Schnurbaum und der Silberahorn bzw. wachsen säulenförmig, wie die Scheinzypresse.